Donnerstag, 17.05.2012 18:02 Uhr

Themen-Übersicht

Zitat des Tages

• Die muslimische Invasion Europas brächte nicht nur Nachteile; Feminismus, Gender-Studies und Regietheater würden immerhin verschwinden.
(Michael Klonowsky, Schriftsteller und Journalist )


 
Roger Köppels Editorial

Worum geht es im Streit um die Schweizer Kampfflugzeuge?


In seinem neuesten Editorial äussert sich Weltwoche-Chedredaktor Roger Köppel auch zu einem Vorschlag von Christoph Blocher: Man soll die Gripen-Diskussion benutzen, um die Preise von Eurofighter und Rafale zu drücken. Zudem soll der Kauf der deutschen oder französischen Flugzeuge laut Blocher mit den heiklen EU-Verhandlungsdossiers verknüpft werden. ­Konkret: Die EU verzichtet auf eine weitere Drangsalierung der Schweiz im Steuerstreit (Holdings). Die EU akzeptiert die Abgeltungssteuern und unterschreibt ein Energieabkommen ohne institutionelle Mehreinbindung der Schweiz in die EU.


Unter anderem schreibt Roger Köppel: 
 

Worum geht es im Streit um die Schweizer Kampfflugzeuge? Erstens: Die Luftwaffenoffiziere wollen mehr, als ihnen Wehrminister Maurer geben will. Es fiel der Vergleich von einem Ferrari und einem VW. Das ist nicht falsch. Man kann auch mit einem billigeren Wagen einen Berg hochfahren. VW sind hervorragende ­Autos, wenngleich der Wunsch nach einem Ferrari immer nachvollziehbar ist. Empfehlung: Das Parlament soll sich am finanziell Mach­baren orientieren, nicht an Flieger-Fantasien.


Zweitens: Der etwas erratisch kommunizierende Departementsvorsteher Maurer, bei dem man nie recht weiss, ob er das, was er fordert, auch wirklich will, hat es noch nicht geschafft, seinem Publikum den Eindruck souveränen Überblicks zu verschaffen. Dass er sich voreilig zur Aussage verstieg, er habe ­einen kritischen Evaluationsbericht nicht gelesen, war Wasser auf die Mühlen seiner Gegner innerhalb und ausserhalb des Departements. Empfehlung: Man sollte die Kommunikationspanne nicht zu hoch hängen.


Drittens: Der Schweizer Luftraum ist längst zur Kampfzone deutscher und französischer Lobbyisten geworden. Sie wollen den Schweizern lieber den deutschen Eurofighter oder den französischen Rafale als den schwedischen Gripen verkaufen. Die Lobbyisten haben alles Interesse daran, das günstige Produkt der Schweden herunterzureden. Ebenfalls an ­einem Gripen-Grounding interessiert sind die parlamentarischen Gegner des Flugzeugkaufs. Sie wollen Maurer ­einen teureren Flieger andrehen, um diesen dann als «zu luxuriös» und «zu teuer» abzuschiessen. Empfehlung: Kostenwahrheit statt Politik.


Viertens: Ex-Bundesrat Blocher will die SVP auf eine neue Linie bringen. Man soll die Gripen-Diskussion benutzen, um die Preise von Eurofighter und Rafale zu drücken. Zudem soll der Kauf der deutschen oder französischen Flugzeuge laut Blocher mit den heiklen EU-Verhandlungsdossiers verknüpft werden. ­Konkret: Die EU verzichtet auf eine weitere Drangsalierung der Schweiz im Steuerstreit (Holdings). Die EU akzeptiert die Abgeltungssteuern und unterschreibt ein Energieabkommen ohne institutionelle Mehreinbindung der Schweiz in die EU. Deutschland gibt beim Fluglärm nach. Erst dann ist die Schweiz bereit, den Milliardenauftrag für die Kampfjets abzusegnen. Die Idee ist prüfenswert, aber sie wird den bekannten innenpolitischen Widerstand erzeugen. Empfehlung: Sollten sich die Deutschen und die Franzosen auf den Handel einlassen, muss man ihn machen. Andernfalls wird der Gripen der «besten Armee der Welt» (Maurer) mit Gewissheit gute Dienste leisten.


Quelle: Editorial der Weltwoche vom 16. Februar 2012


Roger Köppel, Chefredaktor Weltwoche




Zurück

Diesen ArtikelDrucken | Senden | Feedback | Merken

1 Kommentar zum Artikel:

16.02.2012 08:34

Peter Bizzini:

Blochers staatsmännische Idee kommt leider zu spät. Sie hätte im letzten Herbst nach der Abstimmmung im (alten) Parlament lanciert werden müssen.

Kommentar verfassen:

Sie erhalten von uns eine E-Mail zur Bestätigung Ihres Kommentars. Bitte bedenken Sie, dass Ihr Kommentar unter Umständen erst nach der Freigegabe durch die Redaktion für alle sichtbar wird. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

SCHWEIZ17:45
Die Volkswahl würde keinen Umsturz bringen
Simulation einer Direktwahl der Landesregierung »
INTERNATIONAL17:45
Neuer Berliner Flughafen lässt länger auf sich warten
Eröffnung um fast ein Jahr verschoben »

Weitere News von NZZ »

Wetteraussichten
  • Heute
    2|15°
  • Fr
    8|15°
  • Sa
    9|23°
  • So
    10|25°

Newsletter-Abo

Mail eintragen und den kosten- losen Newsletter abonnieren: